BABY FAE

BABY FAE

„Ohne die Transplantation wäre die Kleine gestorben...”

…verteidigte der amerikanische Chirurg Leonard Bailey einen der umstrittensten Eingriffe in der Geschichte der Medizin:

Am 26. Oktober 1984 hatte Bailey an der Loma Linda Universität in Kalifornien einem 14 Tage alten Mädchen das Herz eines acht Monate alten Pavians eingepflanzt. „Baby Fae“, wie das Kind später von der amerikanischen Presse genannt wurde, war mit einer zu kleinen und nicht funktionsfähigen linken Herzkammer zur Welt gekommen.

Noch nie zuvor war einem Neugeborenen ein fremdes Herz eingesetzt worden. Auch punkto Verpflanzung von Primatenherzen gab es keine positiven Berichte. Denn erst dreimal hatten es bis dahin Chirurgen (bei Erwachsenen) überhaupt versucht. Und dreimal waren die Patienten verstorben. Kein Wunder sagte der nicht an der Operation beteiligte Herzchirurg Nevin Katz damals: „Was da in Loma Linda gemacht wurde, ist ein Experiment.”

Wie Recht er mit dieser Aussage hatte, zeigte sich, als Bailey schliesslich zugab, dass auch ein passendes menschliches Säuglingsherz verfügbar gewesen wäre, was das Risiko minimiert hätte. Sein Argument: „Wir haben nicht nach einem menschlichen Organ gesucht. Wir wollten ja eine Xenotransplantation machen.”

 

 

Der Aufschrei der Öffentlichkeit wurde noch grösser, als der Mediziner auf die Frage, warum er einen evolutionär relativ weit vom Menschen entfernten Primaten (im Gegensatz etwa zu einem Schimpansen) als Spender gewählt habe, antwortete: „Ich glaube nicht an die Evolutionstheorie.”

Sieben Jahre lang habe er auf dieses Ziel hingearbeitet, 160 Lämmern habe er zu Forschungszwecken Ziegenherzen eingepflanzt, das gesamte Projekt hätten er und sein Team aus eigener Tasche finanziert, „einsam“ sei er gewesen und bei „den Kollegen verlacht“, seine Forschungsergebnisse seien kaum veröffentlicht worden – „nun war es Zeit zu handeln“.

Ein Experiment mit traurigem Ausgang. Denn das Immunsystem des kleinen Körpers reagierte heftig auf den pumpenden Fremdkörper und versuchte, ihn abzustossen. Nach knapp 20 Tagen schlief „Baby Fae“ für immer ein.

Der Fall wird heute allgemein als Beispiel eines unzureichenden ethischen Review genannt, durch die ein ambitionierter Chirurg einen im Prinzip überflüssigen Menschenversuch durchführen konnte, der das Leiden des Patienten um einige Tage verlängerte, ohne dadurch seinen sicheren Tod abwenden zu können.

 

Quelle: SPIEGEL (5.11.1984) |  20min.ch      

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